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Erhaltungszucht
Waldschaf & Krainer Steinschaf
Biodiversität
und Schönheit
Mit der Zucht unserer Schafrassen
beteiligen wir uns am Erhalt genetischer Ressourcen - einer
Aufgabe, die 1992 bei der Konvention von Rio zur globalen
Biodiversität als weltweite Aufgabe ausgerufen wurde. Auch
Deutschland hat diese Konvention unterzeichnet. Die meisten Tiere
und Pflanzen, die unter diesen Schutz fallen, sind wild. Doch auch
viele Haustierrassen wurden mit der Veränderung der traditionellen
Landwirtschaft ins Abseits geschoben und stehen heute auf den Roten
Listen. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ist der Erhalt
dieser Haustierrassen eine wichtige Aufgabe. Kein Mensch weiß heute
im Detail, welche Anforderungen an unsere Tiere in Zukunft noch
gestellt werden und welche Eigenschaften und genetischen
Voraussetzungen dazu nötig sein werden.
Der Erhalt alter Rassen ist daher nicht museal-historische
Spielerei, sondern Absicherung von genetischen und züchterischen
Möglichkeiten in der landwirtschaftlichen Versorgung für die Zukunft
- und zwar durch über die Jahrhunderte hinweg bewährte und an
wechselndes Klima und Futtergrundlage anpassungsfähige Tierbestände.
Dass unsere Tiere zudem noch wunderschön sind,
freut uns besonders.
Genetische
Verarmung in der Hochleistungszucht
In der Hauptsache züchtet die
Agrarindustrie hin auf schnelleres Wachstum, mehr Milch, Eier und
Fleisch etc. Dabei wird in Kauf genommen, dass wenige
Super-Hochleistungstiere überproportional stark zum Zuchteinsatz
gelangen und deren genetische Grundausstattung sich sehr stark
weltweit verbreitet. Das geschieht vor allem über die Vatertiere:
durch die inzwischen fast ausschließlich durchgeführte künstliche
Besamung in der Rinder- und Schweinezucht ist das technisch kein
Problem. Beim so genannten Natursprung käme ein Bulle nie auf diese
Zahl von Nachkommen, die man mit portioniertem Sperma und
künstlicher Besamung erzielen kann. Die einzelnen Nachkommen (allen
voran die Milchkühe) sind dann extrem leistungsfähig, jedoch oftmals
nur über einen relativ kurzen Zeitraum hinweg, sie leben i.d.R. sehr
viel kürzer als Milchvieh aus bäuerlicher Zucht. So weist man heute
nicht nur die Tagesleistung sondern auch die Lebensleistung aus.
Im Geflügelsektor werden nur noch
wenige Hühnerstämme überhaupt zur Kükenproduktion (!) verwendet, und
zwar weltweit. Die Hühner selbst, wissen meist gar nicht mehr, wie
man Eier bebrütet und die Nachkommen aufzieht. Ein Problem
inzwischen bei vielen Geflügelarten und -rassen.
Werden diese Tierstämme mit
Infektionen, Klimaveränderungen etc. nicht mehr fertig, brechen
große Bestände weg und es gibt es eine eklatante Versorgungslücke.
Konsequenzen für
die Erhaltungszucht
Erhaltungszucht verfolgt andere
Kriterien als Hochleistungszucht. In der Erhaltungszucht geht es um
den Erhalt einer breiten Genetik, also die Weitergabe von möglichst
vielfältigem Erbmaterial von vielen verschiedenen Tieren in an die
kommende Generation.
Unsere Mutterschafe werden im
Laufe ihres Lebens von verschiedenen Böcken im Natursprung gedeckt.
Wir selektieren auch nicht auf hornlos oder gehörnt, hell oder
dunkel etc. Im Gegenteil wird versucht, die Vielfältigkeit auch
innerhalb der Rassen zu erhalten, so dass das Erscheinungsbild
unserer Tiere insgesamt sehr bunt ist. Da die dunkle Waldschaflinie
sehr rar ist, versuchen wir, die dunkle Genetik durch den
gelegentlichen Einsatz dunkler Zuchtböcke wieder zu verstärken. "Das
typische Waldschaf ist ein untypisches " so beschrieb Professor
Sambraus einst das Waldschaf und genauso individuell ist das
Erscheinungsbild der Waldschafe unserer Herde. Das Krainer
Steinschaf hat sich seine bunte Erscheinung über die Jahrhunderte
hinweg selbst erhalten.
Alle Tiere sind individuell zu
unterscheiden, auch ohne dass man einen Blick auf die Ohrmarke
benötigt. Die Bilder auf den jeweiligen Rasseseiten und auch das
Foto hier mit den Krainer Böcken (gekörte Widder und Jungböcken aus
2011) zeigen das sehr schön.
Die Bockherde

Neben dem Verzicht auf einseitige
Selektion ist der Einsatz vieler Vatertiere ist also eine logische
Konsequenz. Wir halten daher eine recht umfangreiche Bockherde
und setzten jedes Jahr mehrere Böcke zur Zucht ein. Neben der
breiteren Genetik kann so auch das Wesen der Vatertiere ganz anders
beurteilt werden, als bei künstlicher Besamung. Unserer Erfahrung
nach gibt es deutliche Unterschiede im Verhalten der Böcke
verschiedener den Rassen und auch innerhalb verschiedener Linien.
Mit unseren Waldschafen und Krainer Steinschafen haben wir eine gute
Wahl auch hinsichtlich der Gutmütigkeit der Vatertiere getroffen und
können angehende Erhaltungszüchter nur ermuntern, auch mit mehreren
Böcken z.B. in einer Bockherde zu arbeiten.
Auch unsere Tiere müssen mit
althergebrachten und vermehrt auch mit neuartigen Infektionen klar
kommen. Auch sie sind dem Infektionsdruck und verstärkt auftretenden
extremen Klimaschwankungen nicht immer gewachsen. Doch muss jede
Generation sich der Prüfung in freier Natur stellen, so wie
Jahrhunderte lang zuvor deren Vorfahren. Robuste, anpassungsfähige
Individuen und Rassen sind die Folge - und so wollen wir sie auch
erhalten.
Eine Haltung mit genügend Bewegung
im Freien samt angemessener Grundfutterversorgung ist die Grundlage
für gesunde und zufriedene Tiere. Es werden gegebenenfalls einzelne
Individuen krank, nicht ein kompletter Bestand und es droht erst
recht nicht eine globale Epidemie. Dieses Potential zu erhalten ist
die Aufgabe der Erhaltungszucht.
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